Karama’s Fahrt nach Dänemark 2007

Nach einer langen Zeit der Ungewissheit, wegen Problemen mit den Visas, der Finanzierung und der mühsamen Suche nach Freiflügen, haben wir es dennoch geschafft unserer Fahrt nach Dänemark mit neun Kindern anzutreten.
Aufregung und Freude lagen in der Luft, aber es flossen auch ein paar Abschiedstränen, als wir unser Flüchtlingslager Deheishe für drei Wochen verlieβen. Für die meisten der Kinder war es das allererste Mal, dass sie Grenzen Palästinas hinter sich lieβen. Nach einer langen Anreise wurden wir sehr herzlich von Annica, der Rektorin der Bustrup Schule, und ihrem Team empfangen, die uns nach Dänemark eingeladen haben, um an ihrem Sommerlager teilzunehmen. Wir fühlten uns von Anfang an wie zuhause und alle Müdigkeit verschwand sofort, als die Kids den riesien Fussballplatz und die schoene Umgebung der Schule sahen.
Schnell entwickelten sich Freundschaften zwischen den dänischen und palästinensischen Jugendlichen, auch weil das perfekt organisierte Rahmenprogramm seinen Teil dazu beitrug, die Kids näher aneinander zu bringen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Die Aktivitäten beinhielten neben viel Sport auch verschiedene Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung. So besuchten wir zum Beispiel einen Freizeitpark, gingen am Strand spazieren und besuchten Kopenhagen. Wir hatten sogar die Möglichkeit an olympischen Spielen teilzunehmen, die einige Schulen im Norden Dänemarks für ein Wochenende organisierten. An diesem sportlichen Wettkampf nahmen wir als Teil der Teams der Bustrup Schule und der Nothjylland Schule teil.
Viele verschiedene Aktivitäten und Wettkämpfe in vielen Disziplinen wurden angeboten. Zwei volle Tage verausgabten wir uns total und lieβen all unsere Energie und Kraft in den Spielen. Und so konnten sogar in einigen Teamsportarten, wie Tanzen, Seilziehen und Basketball den ersten Platz erringen. Auch in einigen Einzel-Disziplinen, wie Klettern, Laufen und Bogenschieβen gewannen wir die Goldmedaillie.
Nach diesem sportlichen Wochenende voller Spaβ, Spannung und Herausforderungen machten wir uns stolz auf die vielen Medallien und mit dem Gefühl als Gruppe noch enger zusammengschweisst zu sein, auf den zweiten Abschnitt unserer Fahrt.
Die folgende Woche verbrachten wir damit, das Land zu bereisen und Tanz- und Musikvorführungen an Schulen darzubieten, um den Dänen die Bedingungen in Palästina näher zu bringen und sie in ihren Herzen zu berühren, um so ein Verständnis von unserer Lage zu schaffen. In dieser Zeit lernten wir nicht nur viele wundervolle Menschen kennen; gleichzeitig gab uns das Reisen die Möglichkeit etwas von Dänemarks beeindruckender Landschaft bewundern zu dürfen.
Weil die Zeit so unglaublich schnell vergangen ist, und wir ungeahnterweise die Chace erhielten unseren Aufenthalt um ein paar Tage zu verlängern, entschlossen wir uns drei extra Tage in der Bustrup Schule zu verbringen.
Der Abschied war schwierig und auf beiden Seiten tränenreich und hoffnungsvolle Wünsche auf ein baldiges Wiedersehen wurden ausgetauscht. Mit Taschen voller Abschiedgeschenken, europäischer Schokolade und E-mailadressen, und mit einem Kopf voller unvergesslicher Eindrücke und Erinnerungen, fuhren wir dann schlieβlich zurück nach Hause nach Deheishe.
Für viele der Kinder war unsere Fahrt nach Dänemark die erste Urlaubsreise überhaupt und bleibt es eventuell auch für eine lange, lange Zeit. Die meisten Kinder flogen auch zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem Flugzeug, fuhren zum ersten mal mit der Bahn, waren das erste mal auf einem Schiff, fuhren zum ersten Mal mit einer Achterbahn und sahen das erste mal das Meer. Viele besondere Momente und tolle Bilder bleiben in unserem Gedächtnis. Einzigartige Beziehungen und enge Freundschaften entstanden in der Zeit unseres Sommerlagers. Vorurteile, Stereotypen und Ignoranz wurden durch ein Gefühl des Verständnis auf beiden Seiten ersetzt. Wir würden gerne nocheinmal ein warmes und lautes DANKESCHÖN nach Dänemark senden und an alle, die diese Erfahrung für uns möglich gemacht haben.
„Wir haben einen Traum“- und ihr habt uns gezeigt, dass wir ihm mit jeden kleinen Schritt näher kommen und ihn eines Tages erfüllen werden.
Vor der Reise: Vorbereitung und Probleme
Karama war sehr dankbar, als die Bustrup Schule uns im Jahre 2007 einlud sie doch in Dänemark besuchen zu kommnen. Die Herausforderung für Karama bestand nun darin genügend Spenden zu sammeln, um die Flugtickets und die Visas für Dänemark bezahlen zu können...

Neun Jugendliche von Karama wurden ausgesucht und begannen sofort danach mit der Vorbereitung für ihr groβes Abenteuer. Einige der Kinder hatten bis dahin noch nie palästinensischen Boden verlassen.
Zur Vorbereitung auf den Trip, bot Karama, mit Hilfe des dänischen Volontärs Ada van Arnhem, sowohl Einführungskurse in die Dänische Sprache als auch täglichen Englisch-Unterricht (für alle Kinder) an.
Nach den ersten Auffrischungsstunden, lag der Fokus in den darauffolgenden Englisch-Einheiten darauf, die Kinder in höflicher Konversation zu schulen. Den Kindern wurde geholfen, wie sie sich in verschiedenen Situationen, wie im Restaurant, oder als Gast in einer Gastfamilie („Was gibt es zum Frühstück“) in englischer Sprache ausdrücken können.
Darüber hinaus lernten die Jugendlichen den traditionellen palästinensischen Depka Tanz. Fast täglich bot unser Depka-Lehrer Fady Trainingseinheiten an. Einige der Jungen gründeten sogar eine Band und nahmen sich vor ihre Show auf der Bühne vor dänischem Publikum aufzuführen. Unzählige Trainingsstunden wurden von den Kids für die Choreographie des Tanzes und für ihre Lieder investiert.
Die Kinder lernten auch etwas über das Leben in Europa, obwohl es fraglich ist, ob die Kinder mit diesen theoretischen Wissen zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon etwas anfangen konnten, wenn man sich vor Augen hält aus welch schwierigem Umfeld sie kommen. In Europa werden die Kinder ein komplett anderes Leben kennenlernen.

Für die Leitung von Karama war es sehr schwierig genügend Geld für die Flugtickets zu sammeln. Es musste daher sogar ein privater Kredit aufgenommen werde, damit die Reise nach Dänemark auch tatsächlich durchgeführt werden konnte. Die Kosten alleine für die Visas betrugen bereits annähernd 1000 Euro. Zwar boten unsere Gastgeber in Dänemark an, die Kosten für unsere vorgeschriebenen Versicherungen zu übernehmen, doch reichte diese Zusage der dänischen Botschaft nicht aus und sie forderte von jedem einzelnen von uns einen Versicherungsschutz von mindestens 30 000 Euro für die komplette Zeit unserer Reise sowie für fünf Tage darüber hinaus. Des Weiteren mussten wir unsere Flugticktes bereits gekauft haben, bevor die Visas ausgestellt werden konnten.
Alle Unterlagen wurden dann zunächst an die dänische Repräsentanz nach Ramallah geschickt. Von dort aus werden die Unterlagen und unsere Reisepässe mit dem Auto in die dänische Botschaft nach Tel Aviv gebracht, wo die Visas ausgestellt werden. Zu dem Zeitpunkt als dies geschrieben wurde, haben wir unsere Einreiseerlaubnis noch immer nicht erhalten. Aber Karama wurde gesagt, dass sie noch rechtzeitig fertig werden...