Das Flüchtlingslager Deheishe
Nach den ersten Vertreibungen von der Küste und den Ebenen
Palästinas zerstreuten sich die palästinensichen Flüchtlinge 1948
nach Osten und flüchteten zum Teil über die Grenzen in die arabischen Nachbarländer.
Die UNRWA stellte diesen entwurzelten Menschen Land zur Verfügung,
auf dem sie ihre Flucht beendeten. Insgesamt 61 Flüchtlingslager
wurden gebildet. Eines davon ist Deheishe, das 1949 auf einer Fläche von 430 Dunum (ca. 1 qkm) innerhalb der Stadtgrenzen
von Bethlehem im Westjordanland entstanden ist.
Eingepfercht in Zelte litten die Flüchtlinge das ganz Jahr über
unter den schwierigen Bedingungen. Ende der 50er Jahre
begann die UNRWA deshalb mit dem Bau von kargen
Wohneinheiten:
Ein zehn Quadratmeter großer Raum mit 10 cm dicken und
2,45 m hohen Wänden, einem Schrägdach und einem Fußboden
aus Zement.
Das hervorstechendste Merkmal dieser Behelfsbauten
war, dass es darin im Winter eiskalt und im Sommer brennend
heiß war. Mit der Zeit bauten sich immer mehr Flüchtlinge
deshalb eigene Häuser, um den UNRWA-Bauten zu entfliehen.
Die Schwierigkeiten wurden im Laufe der Jahre aber kaum geringer.
In Deheishe leben heute nach offiziellen Angaben knapp
13 000 Menschen in 2 682 Familien in 2480 Wohneinheiten. In diesem dichtbevölkertem Flüchtlingslager sehen sie sich – wie die Bewohner anderer Flüchtlingslager – mit massiven Alltagsproblemen
konfrontiert:
UNTERKUNFT
- Das Flüchtlingslager, das dreimal so viele Menschen beherbergt, wie ursprünglich geplant, platzt aus allen Nähten.
- Ein rapides Bevölkerungswachstum von 2 bis 5 Prozent pro Jahr verschärft den Platzmangel.
ÖFFENTLICHE DIENSTLEISTUNGEN
- Es gibt keine Büchereien, Spielplätze, Parks, Fußgängerzonen oder Marktplätze.
- Öffentliche Gebäude sind veraltet und können aufgrund ihrer Lage nicht erweitert werden; die Verwaltung ist desolat.
- Die Wasser- und Stromversorgung ist unzureichend.
- Die Abwasserentsorgung ist mangelhaft.
UMWELT UND HYGIENE
- Es fehlt an Abwasserleitungen; leckende Abwassertanks stellen eine große Gefahr dar.
- Abfall sammelt sich oft über Tage hinweg, da es keine funktionierende Müllentsorgung gibt.
- Hohe Luftverschmutzung und schlechte Luftzirkulation sind der Hauptgrund für Atemwegserkrankungen in den Lagern.
- Stromleitungen sind oft ungesichert und werden offen in den Straßen verlegt.
- Unterirdische Wasserleitungen sind marode und in ihrer Funktion eingeschränkt.
GESUNDHEIT
- Medizinische Einrichtungen und Medikamente fehlen.
- Die Behandlungsgebühren steigen, während die Kostenübernahme seitens der UNRWA sinkt.
- Auf etwa 150 000 Flüchtlinge kommt nur je ein Facharzt für Frauenkrankheiten, Säuglingspflege, Herz- und Magenkrankheiten.
BILDUNG
- Die Schulen sind schlecht ausgestattet und zu klein, so dass in zwei Schichten (morgens und nachmittags) unterrichtet werden muss.
- Die Klassenräume sind überfüllt (durchschnittlich 50 Schüler pro Klasse), so dass ein effizienter Unterricht unmöglich ist.
WIRTSCHAFT
- Mehr als 50% der palästinensischen Bevölkerung sind arbeitslos.
- Drei Viertel aller Palästinenser im Westjordanland, im Gazastreifen und in den Flüchtlingslagern im Libanon leben unterhalb der Armutsgrenze (weniger als 2 US$ pro Person/Tag).
- Die Landwirtschaft (z.B. Olivenöl, Wein) ist - wie Handel und Transport generell-- durch extrem eingeschränkte Bewegungsfreiheit - auch innerhalb der besetzten Gebiete nur begrenzt möglich.
- Der Tourismussektor - einst ein wichtiges Standbein der palästinensischen Wirtschaft - ist komplett zusammengebrochen.
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